Grün, grün, grün sind alle meine Kleider …

19. November 2009

Bunte Wände statt strahlendem Weiß?  Oft wird das Zuhause unter völlig falschen Voraussetzungen gestrichen. Schon einfache Überlegungen können helfen, den richtigen Ton zu treffen!

„Ich möchte gerne irgendetwas mit Farbe machen!”  – ob Haus oder Wohnung, Eigentum oder Mietobjekt – jeder kennt das Gefühl.  Drängt das traute Heim nach Veränderung, gehört Farbe zu den Favoriten. Der erste naheliegende Einfall lautet: „Ich streiche die Wände! Dann sieht es hier gleich frischer aus!”

Doch dieses „irgendetwas mit Farbe” lässt sich meist schwer in die Realität umsetzen. Nicht jeder Farbton bringt gleich die erhoffte Frische oder wahlweise vielleicht auch die ersehnte Ruhe. Denn ganz so einfach verhält es sich mit der Wahl der richtigen Nuance meist nicht.

„Grün, grün, grün sind alle meine Kleider. Grün, grün, grün ist alles, was ich hab´”, heißt es in einem bekannten Kinderlied. Doch zwischen einem knackigen Apfelgrün und einem sanften Moosgrün liegen Welten. „Darum lieb´ ich alles was so grün ist, weil mein Schatz ein Jäger, Jäger ist …” folgt der nächste Vers. Nun, der Berufswahl des Herzallerliebsten entsprechend, dürfte es sich wohl eher um eine dunklere Schattierung handeln. Doch so vielfältig die Möglichkeiten sind, sich grün zu kleiden, so viele Möglichkeiten offenbaren sich auch, die Wände grün zu streichen. Ein einfacher Blick auf einen Farbfächer aus dem Baumarkt wirft gleich hundert Fragen auf.

Während Menschen bei Blusen, Hemden, Krawatten, Tüchern, Schals oder Pullovern ihr Grün sehr bedacht wählen würden, werden beim Streichen der Wohnung oft übereilte Entscheidungen getroffen. Auch in zahlreichen Magazinen oder auf Internetseiten wird meist schnell mit Verallgemeinerungen aus der Farbpsychologie argumentiert. Rot wird Kraft zugeschrieben, Blau eher Ruhe. Doch auch hier gilt das gleiche wie bei Grün und allen anderen Farben: Ein feuriges Karminrot und ein edles Bordeaux wirken auf einer Wand völlig unterschiedlich. Zwei verschiedene Rottöne schaffen eine unterschiedliche Atmosphäre. Und auch der Unterschied zwischen einem kühlen Azur und einem tiefen Königsblau liegt eigentlich auf der Hand.

Jeder Raum muss auf seine eigene Beschaffenheit, auf seine Lichtverhältnisse, seine Möblierung und auch auf seinen Besitzer hin analysiert werden. Erst dann ist es möglich, ein passendes Farbkonzept zu erstellen.

Ein beliebter Fehler: Farben werden aus der Erinnerung heraus gekauft. „Ich habe das im Fernsehen gesehen” oder „Mein Nachbar hat da so eine gelbe Vase”. Wie so oft im Leben trügt die Erinnerung jedoch auch hier. Prangt der Ton dann erst einmal an der Wand, ist die Enttäuschung groß. Denn die Farbe strahlt ganz anders, als bei dem vermeintlichen Vorbild.

Hier hilft dem Laien ein kleiner Probeanstrich. Dank moderner Farbsysteme wie Sikkens oder NCS lassen sich sehr viele Nuancen im Baumarkt anmischen. Tipp: Jeweils die kleinste erhältliche Einheit der in Frage kommenden Töne mitnehmen und je eine Teilfläche auf der gewünschten Wand damit streichen, um die Wirkung im Raum zu erkennen. Später, wenn die Entscheidung gefallen ist, lassen sich die diversen Farbproben mit Weiß abdecken und dann spielend übermalern. Diese Methode ist natürlich mit Aufwand und Kosten verbunden, und das betreffende Zimmer sieht einige Tage etwas gescheckt aus – aber auf lange Sicht lohnt sich der Aufwand.

Allerdings ist es für viele Laien dann immer noch sehr schwierig, den Probeanstrich zu deuten. Jede Farbe wirkt auf einer großen Fläche anders als auf einer kleinen, denn auch die Beschaffenheit der Wand, das Antrocknen und die Lichtverhältnisse auf der gesamten Fläche führen meist zu einem völlig anderen Ton. Hier bedarf es Übung und fachmännischer Vorstellungskraft, um genau den gewünschten Farbton zu treffen. Sonst wird leicht eine zu kräftige Signalfarbe ausgesucht. Denn generell sollten Farben für den persönlichen Lebensraum nicht zu grell, sondern eher natürlich wirken. Werden Wände in allzu schreienden Gelbtönen oder knalligem Rot gestrichen, springen sie förmlich auf den Betrachter zu. Gerade in kleinen Räumen verfehlt der Anstrich dann oft seine erwünschte Wirkung, schießt übers Ziel hinaus und lässt den Raum noch kleiner wirken. Grau-Blau kann hier zu einem viel angenehmeren Ergebnis führen und den Raum vergrößern. Das wussten bereits die Maler der Renaissance, die mit derartigen Tönen in ihren Gemälden den Horizont andeuteten und somit eine Perspektive und die nötige Tiefe schufen.

Es ist auch eine Überlegung wert, nicht gleich eine ganze Wand in Farbe zu tauchen. Die Farbe soll schließlich Akzente setzen. Das gesamte Gemäuer einfach deckend zu streichen, kann dagegen eher langweilig wirken. Hier reichen manchmal schon einige Ornamente, Kreise oder Linien, vielleicht auch einige Quadrate, die sich auf verschiedenen Wänden oder vielleicht sogar in den Formen der Möbel wiederfinden.

Selbst wenn die Wand wirklich flächig gestrichen werden soll, ist zu überlegen, ob nicht nur ein gewisser Teil ausreicht. Was spricht dagegen, einen Raum nur bis auf Fensterhöhe zu streichen? Die Fensterbank bildet einen hervorragenden Abschluss. Oder die Höhe wird von einem Türrahmen oder einem Regal bestimmt, das sich in diesem Raum befindet und somit eine Referenzgröße bildet.

Vielleicht genügt es auch, nur die Fläche hinter dem Sofa oder dem Bett zu streichen? Diese fasst dann das Möbelstück ein und definiert dessen Platz neu. Auch hier sind die Varianten zahlreich: Zur Decke hin kann sich ein weißer Rand absetzen. Oder die Farbfläche kann wie ein Winkel von Wand zu Wand oder von der Wand in die Decke übergehen. Mit Hilfe eines gleichfarbigen Teppichs kann solch ein Winkel auch von der gestrichenen Wand und dem Fußboden gebildet werden. Dadurch wird der Raum völlig neu aufgeteilt, denn durch diese Farbwinkel erhalten Raumzonen eine Art Klammer.

Viele sind sich dieser Möglichkeiten gar nicht bewusst. Meist teilt sich die Menschheit in zwei Gruppen. Zuerst kommen die Liebhaber der großen Weiße: Minimalistisch, pur, weiß, edel. Auch ihnen können kleinere Farbflächen helfen, ihr Zuhause völlig neu zu gestalten, ohne dass die Augen dabei förmlich geblendet werden. Die zweite Gruppierung wird durch die Farb-Fans gebildet. Sie streichen am liebsten den gesamten Raum oder den ganzen Flur. Auch für die Anhänger dieses Credos genügen ausgesuchte Farbflächen, um den Raum sichtbar zu verändern – ohne dass es karg wirkt. Denn wie immer sind Stereotypen viel interessanter, wenn sie sich auflösen. Schließlich will ja auch niemand eine Garderobe tragen, die nur aus Grün, grün, grün besteht …?

Die große Erleuchtung…

23. Oktober 2009

Oft wird der guten alten „Lampe” zu wenig Beachtung geschenkt. Denn in Wahrheit ist sie eine Leuchte! Und genau das, ist auch ihre Aufgabe.


„Das Licht ist das einfache, unzerlegteste, homogenste Wesen, das wir kennen”, schrieb Johann Wolfgang von Goethe. Doch Wesen, die auf den ersten Blick einfach und gutmütig erscheinen, sind oft schwer zu zähmen. Und seit der Erkenntnis des großen Dichterfürsten sind nicht nur weit über 200 Jahre ins Land gezogen. In der Zwischenzeit wurden auch Glühbirnen, Halogenleuchten, Dimmer und andere technische Wunder erfunden.

Das Geheimnis eines perfekten Lichtkonzeptes liegt im Wechsel zwischen direkter und indirekter Beleuchtung. Wird hier gekonnt die Balance gehalten, birgt der Raum beruhigende Zonen und gleichzeitig erhellende Momente. Dadurch wird die Atmosphäre nicht zu ermüdend und dämmrig, aber auch nicht zu grell und aufwühlend.

Fachleute unterscheiden zwischen Funktionslicht und atmosphärischem Licht. Ersteres erhellt den Esstisch, damit niemand im Dunkeln löffelt oder den Schreibtisch, damit auch noch spät daran gearbeitet werden kann. Es brennt auf dem Nachttisch und ermöglicht die Bettlektüre oder scheint in der Küche auf die Arbeitsfläche und lässt das Gemüsehacken verletzungsfreier von der Hand gehen. Das atmosphärische Licht definiert den Raum neu. Es schafft ruhige Sphären oder funktioniert das Sofa in eine Lounge um.

Je nach Einsatzgebiet weitet das Licht den Raum oder erhöht ihn. Deshalb gilt es, in jedem Raum mit verschiedenen Lichtquellen zu arbeiten. Der klassische Deckenauslass, der in jeder neu angemieteten Wohnung wartet, ist meist zu wenig. Das Bild wird erst durch Stand- oder Wandleuchten, Tischleuchten oder Lichtgräben komplettiert. Viele begehen leider den Fehler und denken: „Wir übersäen die Decke mit Spots, und dann wird es schon hell”. Das Gegenteil ist oft der Fall: Da das Licht gebündelt zu Boden geworfen wird und dieser meist  nicht reflektiert, erscheint die Decke dunkel. Bezwecken die Bewohner eine mystische Aura, mag dies funktionieren. Sonst muss mit anderen Lichtquellen gegengesteuert werden. Hier bietet sich beispielsweise ein Gesims an, das die Decke wie ein Band einfasst. Dahinter verstecken sich Leuchtröhren. Sie können nun die Decke mit Licht fluten.

Die richtige Leuchte unterliegt natürlich dem Geschmack des Besitzers. Sie sollte aber auf jeden Fall zur restlichen Einrichtung passen. Die verschiedenen Leuchten können gerne unterschiedlich sein, denn so wird das Auge mit zusätzlichen Farb- und Formspielen verwöhnt. In einem gut gestalteten Raum nimmt eine Leuchte den gleichen Stellenwert wie ein gestaltetes Möbel ein. Auch hier kann gutes Design teuer sein – muss es aber nicht. Zahlreiche preiswertere Hersteller bieten bereits formschöne Objekte.

Eine Leuchte und das von ihr verströmte Licht bestimmen auch die Gewichtung des Raumes. Prangt im Speisezimmer ein ausladender Kristalllüster über dem Esstisch, markiert er ohne Umschweife das wichtigste Element dieses Raumes. Je nachdem, wie tief die Lichtquelle hängt, wird dadurch auch die Platzsituation völlig neu definiert.

Neben der Wahl der Leuchte, gilt es vor allem, auf das geeignete Leuchtmittel zu achten. Die Wattzahl ist hier ebenso entscheidend wie die Lichtfarbe. Denn sie hilft beispielsweise in einem Ankleidezimmer oder bei Einbauleuchten im Kleiderschrank, ein tageslichttaugliches Outfit zusammenzustellen.

Licht erzeugt also eine gewünschte Stimmung oder setzt Möbel und deren Besitzer gekonnt in Szene. Schließlich hat neben Goethe auch Bertold Brecht den Reiz einer guten Beleuchtung in seiner „Dreigroschenoper” bereits simpel und logisch zusammengefasst: „Und die einen stehen im Dunkeln, und die anderen stehen im Licht. Doch man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht!”

In den Raum geschneidert …

03. Mai 2009

Möbel nach Maß erfüllen individuelle Bedürfnisse, müssen aber kein Vermögen kosten.


Die Londoner Saville Row gilt unumstritten als „Die Straße der Maßanzüge“. Hier siedelten sich die besten Schneider der britischen Inseln an. Seit jeher stellen sie der Maßanfertigung folgende Definition voran: „ Zugeschnitten nach einem Individuum, für ein Individuum, von einem Individuum.“

Ob Garderobe, Kleiderschrank oder Bücherregal mit integriertem Sekretär – was für den perfekt sitzenden englischen Cut gilt, gilt auch für Einbaulösungen in der Möbelwelt. Die Maßanfertigung wird nach den Koordinaten eines individuellen Raumes zugeschnitten, für den individuellen Bewohner hergestellt und von einem individuellen Innenarchitekten mit seiner eigenen Handschrift gestaltet.

Die Vorteile: Kein Platz wird verschenkt. Materialien, Oberflächen und Farben können in das Raumkonzept eingebunden werden. Der Besitzer des Einbaumöbels kann die Einteilung frei wählen. Denn schließlich weiß er oder sie am besten, wie viele Paar Socken in den Schubläden unterkommen müssen, ob die Kleidungsstücke besser hängen oder liegen, oder aber wie viele Bücher auf den Regalböden zu stehen kommen.

Die edelste und hochwertigste Form des maßangefertigten Möbels wird sicher als Schreinerarbeit hergestellt. Wer nicht ganz so viel Geld für seinen Individualismus investieren will, kann auf zwei Tricks zurückgreifen. Der Schreiner muss nicht immer und überall Echtholzoberflächen einsetzen. Verdeckte Gefache oder Schübe können ohne weiteres auch beschichtete Dekoroberflächen aufweisen. Diese sind optisch durchaus ansprechend und manchmal im Gebrauch sogar weitaus praktischer, da pflegeleichter. Und zu guter Letzt muss auch nicht immer eine Schreinerlösung gewählt werden. Zahlreiche Firmen wie Ars Nova oder die Wiener Werkstätten stellen frei kombinierbare Systemlösungen als Handelsprodukte her, die bereits großen Spielraum für individuelle Wünsche lassen.

Eines gibt es bei der Einbaulösung zu bedenken: Ideal ist sie für die eigenen vier Wände. Wohnt der Individualist zur Miete, sollte er sich schon sicher sein, dass er dort sehr lange bleiben kann. Denn schließlich wird auch der Maßanzug für den eigenen Körper geschneidert und nicht für einen fremden!